Ordensschwester Amélie Nr. 1
- Spurlos verschwunden -
(Hörplanet)

Captain Blitz urteilt:

Kaum kommt Schwester Amélie (Sarah Riedel) in dem idyllischen Küstenort Saintlieux-sur-mer an, hört sie von einem verschwundenen Rucksacktouristen. Amélie ist entsetzt, dass die örtliche Gendarmerie nichts unternehmen will und sie nimmt die Sache nun mehr oder weniger selber in die Hand. Gemeinsam mit dem heruntergekommenen Privatdetektiv Remy Bass (Helmut Krauss) will sie herausfinden, was mit dem Rucksacktouristen passiert ist und dabei kommen sie einer gefährlichen Angelegenheit auf die Spur!

- Meinung -

Der Hörplanet bringt eine neue Serie an den Start und mit Krimis fährt man einfach am besten und genau in diesem Genre bewegt sich auch die Ordensschwester Amélie. Doch keine Angst, dass hier ist nicht einfach nur ein Bedfort-Ausguss mit einer Nonne und fertig, ganz so einfach macht man es sich beim Hörplanet ganz gewiss nicht. Ein anderes Setting, andere Charaktere, bewährtes Krimifeeling, das sind die Zutaten und die verrührt Autor Sebastian Weber zu einem schmackhaften Krimigericht. In 66 Minuten erlebt die Ordensschwester gemeinsam mit Marc Valet und Remy Bass ihren ersten Fall, der zwar nicht unbedingt sonderlich spektakulär ist, aber dafür spannend, unterhaltsam und nachvollziehbar. Alle Charaktere werden dazu auch noch so vorgestellt, dass man sich gar nicht lange mit dem Ballast einer Einführungsfolge aufhält, sondern es mehr oder weniger nach dem Prinzip "as we go along" passiert, was mir sehr gut gefallen hat. Ein ordentliches Tempo, ein absolut gelungener Hörfluss, mehr geht eigentlich nicht.

Die üblichen Hörplanet-Verdächtigen findet man in der Sprecherliste wieder, doch das muss ja nicht schlecht sein und das ist es erfreulicherweise auch nicht, denn die hier abgelieferten Darbietungen haben mir sehr gut gefallen und mich erfreut. Sarah Riedel spricht die Hauptrolle und ich bin der Meinung, dass man ihr durchaus anhört, dass sie noch etwas Zeit braucht, um noch besser in die Rolle der Ordensschwester zu schlüpfen, aber das macht sie jetzt schon recht gut, stellenweise kommt sie aber noch etwas verkrampft rüber. Das wird sich legen, da bin ich mir ganz sicher und es macht auch Sinn, dass man ihr in dieser Serie einen absoluten Routinier wie Helmut Krauss als abgewrackten Detektiv zur Seite stellt, denn er ist für mich hier der heimliche Star. Sein Auftritt hat mir hervorragend gefallen, wirklich klasse wie er Remy Bass spricht, da gibt es nicht mal ansatzweise etwas zu beanstanden. Ein weiterer Begleiter Amélies ist Marc Valet, der von Sascha Rotermund locker und flockig gesprochen wird. Er hinterlässt mit seiner sanften und einfühlsamen Stimme sowieso immer einen guten Eindruck und er ist ein gern gehörter Gast. Dieses Trio legt also schon mal gut los, doch auch in den weiteren Rollen kommen bekannte und beliebte Stimmen zum Zuge, zum Beispiel die von Marianne Groß, Christel Merian, Harald Effenberg, Stefan Fredrich (toller Auftritt!), Tom Deininger, Tim Knauer und Bodo Wolf. Namhafte Vollprofis, angenehme Stimmen, gelungene Auftritte, besser geht es fast nicht mehr.

Die Titelmelodie hat Ohrwurmcharakter und wenn das der Fall ist, dann kann sich Dennis Rohling direkt sicher sein, dass er alles richtig gemacht hat. Auch sonst kann man vollauf mit der Untermalung zufrieden sein, denn ob es die Musiken oder die Geräusche sind, in jeglicher Hinsicht wurde ganze Arbeit geleistet, das französische Flair kommt wunderbar auf und jede Szene kommt sehr lebendig rüber.

Einen Kritikpunkt muss ich aber loswerden, denn die Aufmachung konnte mich nicht ganz überzeugen. Rorschachtest schön und gut, aber was hat das mit der Ordensschwester zu tun? Außerdem wird alles nur in den Farben schwarz und weiß gehalten, was auf der einen Seite ja Sinn macht, sieht die Schwesterntracht halt so aus, auf der anderen Seite sieht die Aufmachung dadurch schon etwas billig auf, zumal das Booklet innendrin gar keine Informationen zu bieten hat und mehr oder weniger nur ein Einleger ist. Da kann man nur hoffen, dass man Amélie im Falle eines Serienerfolgs eine verbesserte Aufmachung spendieren wird, verdient hätte sie es allemal.

Ein gelungener Auftakt, ein richtig guter Krimi und hier wird nicht einfach Lady Bedfort kopiert, sondern eine vollkommen eigenständige Serie gestartet. Der erste Fall gefällt mir schon sehr gut und auf diesem Niveau darf es gerne weitergehen und wenn das gehalten werden kann, dann werden wir sicherlich noch viele Fälle der Ordensschwester Amélie hören dürfen. Empfehlenswert!

Der Link:
Hörplanet

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