Marek Krajewski
- Der Kalenderblattmörder -
(Hoffmann und Campe)

Captain Blitz urteilt:

Eberhard Mock ist kein Ermittler, wie er im Buche steht, eher das Gegenteil ist der Fall. Er säuft gerne, zieht mit seinen Freunden um die Häuser und seine Frau ist nur schmückendes Beiwerk und schwer vernachlässigt. Kann sich so ein Mann überhaupt auf einen Fall konzentrieren? Er wird es müssen, denn der Kalenderblattmörder geht um und es ereignet sich eine Mordserie. Was haben die abgerissenen Kalenderblätter an den Tatorten zu bedeuten? Welche Verbindung gibt es zwischen den Ermordeten? Wird Mock den Fall lösen können oder steht er sich selber im Weg?

- Meinung -

Marek Krajewskis Roman, der im Breslau Ende der 1920er spielt, hat einen absoluten "Antihelden" in der Hauptrolle, der unsympathischer kaum sein könnte und mit ihm muss sich der Hörer im wahrsten Sinne des Wortes abgeben. So ist der Charakter des Eberhard Mock schon einer der Hauptanreizpunkte dieses Krimis und Mock weigert sich, zu den Genrekollegen gestellt zu werden und im Einerlei der diversen Ermittler unterzugehen. Das Konzept geht auf, Mock ist ein absolutes Unikat, unsympathisch, versoffen und kein Mann, mit dem man es unbedingt zu tun haben möchte. Dennoch ertappt man sich dabei, wie man mitfiebert und hofft, dass er den Fall löst. Auf zwei prallvollen CDs wird eine Menge Hochspannung, eine ordentliche Portion Härte, doch auch der eine oder andere nette Spruch geboten, insgesamt ist die Mischung sehr ausgewogen, aber unterm Strich nichts für schwache Nerven. Von solchen Stories kann ich jedenfalls nicht genug kriegen, das Setting wird auch nicht so oft präsentiert und daher nimmt man Vorlage und Bearbeitung dankend an.

Hans-Werner Meyer, meiner Meinung nach momentan der "Mann der Stunde", was Lesungen betrifft, führt uns hier durch dieses Werk. Im Vergleich zu "Das System" und "Spider" legt er nochmal eine Portion drauf und liefert eine sehr überzeugende und starke Arbeit ab. Meyer schafft es, dass es der Hörerschaft nicht sonderlich schwer fallen sollte, die einzelnen Charaktere auseinander zu halten. Hier hat er es auch verdient, dass man besonders gut zuhört, dann dürfte einem auch nicht entgehen, dass er es mit kleinen und feinen Kniffen ermöglicht, die diversen Personen unterschiedlich klingen zu lassen. Bei Mock schwingt immer wieder ein Akzent mit, Frauen spricht Meyer besonders weich und mit hellerer Stimme, da lässt er mal ein wenig Ranicki durchklingen und so zieht es sich durch die gesamte Produktion. Hans-Werner Meyer hat sich sehr viel Mühe gegeben und das hört man deutlich und teilweise ist es schon erschreckend, wie gut er jetzt schon als Sprecher für Hörbücher ist und wie gut er noch sein wird. Weiter so und gerne mehr davon!

Eine Inszenierung gibt es hier nicht, aber warum auch? Wenn Geschichte und Sprecher dermaßen überzeugen und für Atmosphäre und Stimmung sorgen, dann bedarf es keiner Hilfsmittel. So kann man sich voll und ganz auf die Sprachkunst eines Hans-Werner Meyer konzentrieren und das sollte reichen, um einiges geboten zu bekommen.

Starker Krimi, starke Lesung, absolut empfehlenswert! Da kann man nur hoffen, dass weitere Bücher von Krajewski eine Vertonung erfahren und am besten wieder von Hans-Werner Meyer gesprochen werden. Wer harte Krimis mag, die sich nicht mit Klischees abgeben und mal einen waschechten Antihelden präsentieren, der wird hier fündig!

Der Link:
Hoffmann und Campe

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